Sebastian Lotzer
Zeittafel zu Sebastian Lotzer
Die Schule wurde nach Sebastian Lotzer benannt, weil er ein mutiger und christlicher Streiter für das einfache Volk war, der insbesondere mit der Abfassung der berühmten 12 Artikel von 1525 den Beginn einer Basis- bewegung in Memmingen für mehr Demokratie und Menschenrechte einleitete.
um 1490: Geboren wurde Sebastian Lotzer als der älteste von 3 Söhnen in er Stadt Horb am Neckar. Dort erlernte er das Kürschner Handwerk. Anschließen ging er auf Wanderschaft. So kam er nach Memmingen. Sein Vater war Ratsmitglied und Bürgermeister, außerdem verwaltete er als Pfleger verschiedene kirchliche Einrichtungen.
März 1513: Christoph Schappeler aus St. Gallen, ein wortgewaltiger Vertreter der reformatorischen Lehre, übernimmt die gut bezahlte Predigerstelle in St. Martin, die von der Familie Vöhlin gestiftet wurde. Er wird später Vorbild und Lehrer von Sebastian Lotzer.
um 1520: Sebastian Lotzer erwirbt das Memminger Bürgerrecht und heiratet Margreth Weigelin, eine Kramerstochter. Er übernimmt deren Geschäft und wohnt mit seiner Familie in dem Geschäftshaus im Stadtviertel Hinder der schul (heute Herrenstr. 1). Durch sein intensives Bibellesen wird er zum bedeutendsten Laientheologen von Memmingen und Umgebung.
10. Sept. 1522: Im Memminger Ratsprotokoll ist zu lesen: „Lutters halb ist ain geschray hie under den priesten worden, predigen widerainander.“
26. Juni 1523: Im Rat wurde der Antrag abgelehnt, die Schriften Luthers und seiner Anhänger „nicht öffentlich“ zu verkaufen. Man beschloss, „jedermann thun lassen, was er will“.
Juli 1523: Seine 1. Flugschrift: „Ain hailsame Ermanung an die einwoner zu horb“
19. Juli 1523: „Hirtenbrief“ des Bischofs von Augsburg gegen Laientheologen wie Sebastian Lotzer an den Bürgermeister und Rat: ER habe gehört, dass auch in der bisher als christlich gerühmten Stadt Memmingen etliche wenige ungelehrten Laien sich zur Lehre Luthers bekennen und andere dazu verleiten. Der Rat müsse einschreiten und gegen die Anhänger Luthers vorgehen.
30. Juli 1523: Eine Gruppe von Bürgern überreicht dem Altgläubigen Pfarrer Megerich eine Anklageschrift, die von 12 Luther-Anhängern, u.a. von Sebastian Lotzer, unterstützt wird. Darin wird das unchristliche Leben und Handeln des Pfarrers heftig kritisiert und die Lehre Luthers sowie das Bekenntnis zu ihr verteidigt.
03. Aug. 1523: Die vom Rat vorgeladenen Übeltäter – unter ihnen auch Sebastian Lotzer – bekennen sich zu der Schrift und zu ihren verbotenen Versammlungen. Sie werden darauf hingewiesen, dass sie mit solchen Aktionen „zwitracht machen und auffrüren“
Sept. 1523: Seine 2. Flugschrift: „Ain christlicher sendbrief ... trostlich getan durch Sebastia Loyther an seinen lieben vatter, burger zu Horb2“
Anfang 1524: Beim Bischof von Augsburg wird gegen Christoph Schapperler Klage geführt, weil er gepredigt hat, es sei keine Todsünde, wenn man den Zehnten verweigert.
Febr. 1524: Seine 3. Flugschrift: „Ain sehr haylßam trostlich christelich unüberwyndtlich beschyrmbüchlin“
Okt. 1524: Seine 4. Flugschrift: „Ain außlegung über dz Evangelium“
25. Dez. 1524: Am Weihnachtstag kommt es in der Frauenkirche zu einem folgenschweren Tumult. Einige aufgebrachte Gottesdienstbesucher gehen gewaltsam gegen den Altgläubigen Pfarrer Megerlich vor. Dieser ist ein erbitterter Gegner der lutherischen Lehre. Sebastian Lotzer bleibt ein unbeteiligter Beobachter, der kurz darauf eine „Entschuldigung“ veröffentlichen wird.
Jan. 1525: Seine 5. Flugschrift: „Entschuldigung ainer Frummen Christlichen Gemain zu Memmingen. Von wegen der Empörung so sich bey uns begeben.“
Febr. 1525: Dem Rat werden die „10 Memminger Artikel“ ausgehändigt. In ihnen hat Sebastian Lotzer für die Bauern alle Beschwerden und Forderungen aus 27 Memminger Dörfer konkret benannt, übersichtlich zusammengefasst und „nach Laut und Inhalt des göttlichen Wortes“ begründet.
27. Febr. 1525: Sebastian Lotzer wird Feldschreiber für den Bauernführer Ulrich Schmid beim Baltringer Haufen.
März 1525: In der Kramerzunft in Memmingen legt Sebastian Lotzer den 50 Bauernvertretern einen Entwurf für eine „Bundesordnung“ der „Christlichen Vereinigung“ aller Bauern Oberschwabens vor. Dort wird auch sein Entwurf einen biblisch begründeten Programms in „12 Artikeln“ für mehr Freiheit, Gerechtigkeit und politische Mitbestimmung des „Gemeinen Mannes“ diskutiert.
14. März 1525: Endgültige Entscheidung in der Kramerzunft über „Dye Grundtlichen Und rechten haupt Artickel aller Baurschafft.“ Als Verfasser gilt Sebastian Lotzer unter Mitwirkung von Christoph Schappeler. Mit diesem Reformprogramm und politischen Manifest gaben sie dem einfachen Volk im ganzen Deutschen Reich eine Stimme und eine Hoffnung.
21. April 1525: Schreiben des Schwäbischen Bundes an den Rat: „Der Memminger Bürger Sebastian Letzer, genannt Weygelin Cramer, hat sich vor anderen mit freventlichen Handlungen hervorgetan, und ist der muthwilligen Fehde der Bauern anhängig gewesen. Deshalb möge ihn der Rath ins Gefängnis legen und bis auf weiteren Bescheid des Bundes verwahren.“
April 1525: Er flieht nach St. Gallen. Dort verliert sich seine Spur für immer. Doch in der Erinnerung lebt er weiter als der christliche Streiter für eine friedliche Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit und persönliche Freiheit herrschen.
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